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Die Familie Sandfuchs <A>


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Der Oberharz - Heimat der Sandfüchse

Der Harz ist heute neben dem Erzgebirge eine der vielgestaltigsten und eindrucksvollsten historischen Bergbaulandschaften Mitteleuropas. [1] Im Gegensatz zum teilweise schon früh besiedelten Unterharz war der Oberharz um Clausthal und Zellerfeld bis zu Beginn des Mittelalters ein weitgehend unbewohntes Waldgebiet. Der Reichtum des Harzes an Silber-, Blei-, Kupfer- und Eisenerzen führte jedoch bald zu einem ausgedehnten und blühenden Bergbau. [2] Hier entstand die erste geschlossene Industrielandschaft Deutschlands. Die am Fuße des Rammelsberges liegende, nach dem kleinen Fluss Gose benannte Stadt Goslar entwickelte sich nach ihrer Gründung im 10. Jahrhundert dank reicher Erzausbeuten zu einer der blühendsten Städte Deutschlands. Mehr als 200 Jahre war Goslar als Pfalzstadt der Mittelpunkt kaiserlicher Macht. Im Jahre 1340 wurde Goslar freie Reichsstadt.

Im Laufe der Zeit übernahmen Klöster eine wichtige Rolle bei der Erschließung des Harzinneren. Bei der Aufnahme des Oberharzer Bergbaus ging ein wesentlicher Impuls von dem um 1200 gegründeten Kloster Cella aus, das sich in der Nähe der nach dem Kloster benannten, 1532 entstandenen Bergbaustadt Zellerfeld befand.

Das 14. und 15. Jahrhundert war wegen Kriegen, Gebietsstreitigkeiten und großer Seuchen keine gute Zeit für den Bergbau. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam es nach einer politischen Zweigliederung des Harz-Gebietes zu einer raschen Wiederaufnahme des Oberharzer Erzbergbaus. Es wurden von den beiden wirtschaftlich konkurrierenden Regierungen Bergfreiheiten erlassen, [3] um aus anderen Bergbaugebieten Fachpersonal ins Land zu holen. Die Mehrzahl der Bergleute kam aus dem sächsischen Erzgebirge. So entstanden im Oberharz sieben freie Bergstädte, darunter (Bad) Grund (1524), Zellerfeld (1532), Clausthal (1554) und Lautenthal (1613). [4]

Nach dem Niedergang durch den 30-jährigen Krieg stieg das Oberharzer Revier zum größten Silberproduzenten Europas auf. Wegen der vielfältigen Bergfreiheiten gehörten die Bergleute im 16. Jahrhundert zu einem angesehenen und privilegierten Berufsstand. Die Bergwerke wurden damals in Form von Gewerkschaften betrieben, einer Art Vorläufer der heutigen Aktiengesellschaften. Erst im späten 17. und 18. Jahrhundert führten steigende Verschuldungen der Grubeneigner (u.a. wegen großer Investitionen zur besseren Ausbeutung der Erze) zur Verstaatlichung der meisten Bergwerke, die wie viele Hüttenbetriebe der Obhut von herrschaftlichen Bergämtern unterstellt wurden. Der Oberharz wurde zum Bergwerksstaat. Daraus erwuchs eine eigentümliche Reglementierung der Bevölkerung, die in eine völlige wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit vom Staat führte. Die alten Bergfreiheiten wurden durch zahlreiche Erlasse immer weiter eingeschränkt, bis sie fast bedeutungslos waren.

Im 19. Jahrhundert galt bei außenstehenden Beobachtern die weitgehend isoliert lebende Harzer Bevölkerung als rückständig und unkultiviert. Ein französischer Schriftsteller bemerkte damals: "... schon beim Namen des Harzes erschaudert der Mensch, da dort alles so schrecklich ist...". [5] 1822 schrieb hingegen ein anderer Schriftsteller über die Oberharzer Bergleute: [6]

Sie bilden ein starkes und geduldiges Volk, welches seit beinahe zehn Jahrhunderten dem Schoosse der Erde ungeheure Schätze entwunden hat und doch immer arm geblieben ist; dem das Gefährliche seines Gewerbes und die Strenge des Klimas einen eigenen Nationalstolz gibt und das, im glücklichen Besitze eines früh geweckten und stets genährten Gemeingeistes, sein Gebirge und sein Bergwerk dem übrigen Weltall vorzieht.

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Name und Herkunft der Familie

Die Geschichte der Familie Sandfuchs wurde durch Albert jun. <12-a> und Wilhelm Sandfuchs <12-d> ausführlich erforscht. [7] Insbesondere mit der Bedeutung des Familiennamens Sandfuchs beschäftigte sich Albert sehr intensiv und stand darüber mit einigen Namensforschern und Genealogen in brieflichem Kontakt. Als Ergebnis lässt sich zusammenfassen, dass "Sandfuchs" die hochdeutsche Version der älteren und weiter verbreiteten Bezeichnung "Sandvoss" ist. Der Stammvater erhielt den Namen wahrscheinlich deshalb, weil er Besitzer einer selten gewordenen Pferderasse, des sandgelben Fuchses, gewesen war und sich der Name des Pferdes auf den Besitzer übertrug. (In den Zoos von Karlsruhe und München-Hellabrunn gab es 1973 Sandfüchse, die durch Rückzüchtung der ehemals ausgestorbenen Pferderasse entstanden.) [8]

Das Wappen der Sandfüchse, das Albert jun. anfertigen ließ, [9] zeigt in rot auf grünem Boden einen aufgerichteten, nach rechts schreitenden goldenen Fuchs. Helmzier: geschlossener rot-goldener Flug, Decken rot-gold.

Die Vorfahren der Sandfüchse waren überwiegend im Oberharzer Bergbau beschäftigt. Angehörige des Geschlechtes Sandvoss lebten um das Jahr 1615 in Borthenem, was die frühere Schreibweise von Bockenem [10] (Landkreis Hildesheim) ist. Vielleicht ist damit aber auch Bornum (südlich von Bockenem) gemeint. Der älteste bekannte Vorfahre der Ahnenreihe ist Claus Sandvoss <A-H>, der Holzhauer in Jerstedt war und nach Goslar zog, wo er am 12. August 1651 durch die Heirat mit Gese Bosse aus Bredelem [11] (Landkreis Goslar) das Bürgerrecht gegen eine Gebühr von 20 fl erhielt.

Johann Joachim Wilhelm <A-G> (1691-1760), ein Sohn aus der zweiten Ehe von Nikolaus Sandvoß mit Christina Bornmans, änderte seinen Familiennamen in die hochdeutsche Form "Sandfuchs". Er zog von Goslar nach Zellerfeld, wo sein Zimmerhandwerk beim Stollenausbau stärker gefragt gewesen sein könnte. Aus seiner Ehe mit Maria Elisabeth Hartung, geboren 1698, gingen sieben Kinder hervor, von denen nur fünf im Zellerfelder Kirchenbuch verzeichnet sind. Die Ahnenreihe Sandfuchs führt weiter über die jeweils im Bergbau beschäftigten Georg Wilhelm, der von Zellerfeld nach Lautenthal zog, [12] Johann Georg Christian und Wilhelm Heinrich Theodor schließlich zu August Sandfuchs <24>.

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August Sandfuchs (1840-1908)

August Sandfuchs und "Der Kinzigthäler"

August Sandfuchs <24> wurde als einziges Kind aus der zweiten Ehe seines Vaters in Lautenthal geboren - aus erster Ehe waren fünf ältere Stiefgeschwister da - und im Familienkreis "der kleine August" genannt, zur Unterscheidung von seinem älteren Stiefbruder, "dem großen August" <48-a>.

Aus dem Besitz von August Sandfuchs befindet sich im FAS "Das Neue Testament unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi" nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers (gedruckt in London 1847), das er am 1. Januar 1850 geschenkt bekam. Als 15-Jähriger trat August 1856 in die Buchhändlerlehre in der Grosséschen Buchhandlung in Clausthal ein, blieb dort als Gehilfe bis zum Jahr 1860, um dann sein Wissen in der Fremde zu erweitern. Zunächst war er fast drei Jahre in der bekannten Verlagsbuchhandlung Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig tätig und begann 1862 in Karlsruhe bei der G. Braunschen Hofbuchdruckerei, dem Verlag der Karlsruher Zeitung, als Buchhändler, Theater- und Kunstredakteur. Drei Jahre später wechselte er zur viel beachteten liberalen Neuen Badischen Landeszeitung nach Mannheim. (Er war der erste Sandfuchs in Karlsruhe; von den insgesamt 34 Nachkommen seines Sohnes Albert, der dort die Realschule besuchte, lebten zumindest zehn zeitweise in Karlsruhe oder wurden dort geboren: 4-ac, 4-ad, 12-a, 12-bb, 12-bba, 12-eb, 12-eba, 12-d, 12-da, 12-db.) Ein Jugendfreund von ihm war W. Buttler aus Hildesheim.

Im August 1869 verlobte sich August mit Margarete Weilbächer <25> (1845-1935) aus Wicker. [13] Nachdem er zum 1. Januar 1870 von August Rösch "das zwischen der Bäckermeisterswitwe Joseph Moser und dem Aktuar Joseph Anton Caspar gelegene Hausgrundstück mit Garten" in Wolfach für 4500 fl und "die Druckerei-Einrichtung, das im Haus untergebrachte Druckerei-Geschäft und das Verlagsrecht des wöchentlich dreimal erscheinenden Amtsverkündigungsblattes 'Der Kinzigthäler'" für 9000 Gulden und 6 Louisdor Trink- und Schlüsselgeld mit Hilfe der Mitgift seiner Verlobten (über 14 000 fl) gekauft hatte, [14] machte sich August Sandfuchs vom 1. März 1870 an selbstständig und wurde kurze Zeit später offiziell zum Amtsblattverleger "konzessioniert".

Die Zeitung "Der Kinzigthäler" war von dem Wolfacher Lithografen Adolf Neef <54c1-A> (1823-1893) im Jahre 1865 gegründet worden. [15] (Adolfs Tochter Adolfine heiratete 1877 Otto Bührer, einen Bruder von Auguste Bührer, der Schwiegermutter von Albert Sandfuchs sen. <12>.) Im Jahr darauf wurde die neue Zeitung zum "Amtsverkündigungs-Blatt für den Amts- und Amtsgerichtsbezirk Wolfach und den Amtsgerichtsbezirk Haslach" bestimmt. Ohne diese Erhebung zum "Amtsverkündiger" hätte der "Kinzigthäler" vermutlich das erste Jahr nicht überlebt. Da sich Adolf Neef mit seinen Investitionen für seine Druckerei finanziell übernommen hatte und die dritte Tilgungsrate, bedingt durch die "kriegerischen Entwicklungen" im Jahre 1866, nicht bezahlen konnte, musste er die Druckerei am 17. Oktober 1866 an August Rösch (1815-1871, geboren in Reutlingen), der bereits in verschiedenen Städten als Zeitungsbesitzer aufgetreten war, verkaufen. Der Wolfacher Oberamtmann Wilhelm Schupp, der sich sehr für die Gründung und weitere Entwicklung des "Kinzigthälers" eingesetzt hatte, könnte bis zu seiner Versetzung am 2. November 1869 als der eigentliche Redakteur der Zeitung bezeichnet werden. Deshalb verkaufte Rösch vermutlich auch den "Kinzigtäler" kurz nachdem Schupp Wolfach verlassen hatte.

Im Juni 1870 heiratete August Sandfuchs in Offenbach a.M. seine Frau, die nun auch nach Wolfach zog. Im gleichen Jahr besuchte Heinrich Christian Sandfuchs <48-c> seinen Stiefbruder in Wolfach, um von dort aus in die Schweiz weiter zu fahren. Er konnte jedoch seine Reise nicht fortsetzen, weil am 15. Juli 1870, dem Tag seiner Ankunft, die Kriegserklärung durch Frankreich erfolgte. Da Baden Aufmarschgebiet war, fielen die Züge für den zivilen Reiseverkehr fast völlig aus, [16] sodass Christian nur unter größten Schwierigkeiten nach drei Tagen wieder nachhause kam. Einige Nachkommen von Augusts Stiefgeschwistern blieben bis nach dem 2. Weltkrieg mit den Wolfacher Sandfüchsen in brieflichem Kontakt.

Im Mai 1870 eröffnete August eine "Kunst-, Buch-, Musikalien- und Landkartenhandlung", der er eine Leihbibliothek und einen "Journal-Lesezirkel" angliederte. In den ersten Jahren versuchte er es auch mit einem kleinen Buchverlag, den er jedoch bald wieder einstellen musste.

Seinen Kauf scheint August nicht bereut zu haben. Die sich ihm 1873 nochmals bietende Chance, als Geschäftsführer einer neu zu gründenden Deutschen Zeitung nach Straßburg zu kommen, schlug er aus und erwarb am 30. Dezember des gleichen Jahres die badische Staatsangehörigkeit, nachdem er zuvor sieben Jahre die preußische und 26 Jahre die hannoveranische besessen hatte. August wohnte mit seiner Frau im Haus Vorstadtstraße 36; ihr Wohnzimmer befand sich im späteren Druckerei-Hauptbüro und die Küche im anschließenden kleineren Büroraum. Im zweiten Stock waren die Schlaf- und Gästezimmer verteilt, während sich die Waschküche im Teil der Setzerei befand, wo bis 1916 die Setzmaschine untergebracht war. 1884 verlegte er den Betrieb vom Wohnhaus in das neu erbaute zweistöckige Buchdruckereigebäude (die spätere Setzerei) und kaufte 1891 eine neue Schnellpresse.

Zu ihrer Silberhochzeit am 5. Juni 1895 bekamen August und Margarete Sandfuchs Post aus Amerika. Magaretes Bruder Albert Weilbächer <50-b>, Drogist und Apotheker in New Orleans, schrieb ihr am 21. Mai 1895: [17]

Meine liebe, liebe Schwester und lieber Schwager! Meine herzlichsten Glückwünsche zu Euerer Silbernen Hochzeit am 5 ten Juni sende ich Euch von fern über dem Meere, wobei sich meine ganze Familie anschließt. Möge Euch der liebe Gott viele Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit zusammen erleben lassen und Euch Eueren Kindern erhalten. - Also, Glück und Segen für die Zukunft und Hoffnung, daß wir uns noch einmal wiedersehen auf dieser Welt. - Nehmt beigeschlossene Medaille als Erinnerung Eueres Ehrentages von Euerem Bruder und Schwager und dessen Familie im fernen Amerika.

Im Jahr zuvor, am 1. Mai 1894, hatte Albert Weilbächer selbst seine Silberne Hochzeit gefeiert und sandte seiner Schwester einen mit zwei Federzeichnungen von "Mr. und Mrs. Weilbächer" illustrierten Zeitungsausschnitt vom 1. Mai 1894. [18] Im Jahre 1906 war es Albert vergönnt, nocheinmal seine Heimat und seine beiden Schwestern zu besuchen.

Während August Sandfuchs' fast 38-jähriger Tätigkeit in Wolfach lag die strukturelle Betriebszusammensetzung so, dass etwa 70 Prozent des Umsatzes auf den Zeitungsverlag, 20 Prozent auf die Akzidenzdruckerei und 10 Prozent auf das Ladengeschäft entfielen. Er wurde mit der Zeit ein tüchtiger Betriebsorganisator und Unternehmer. Mit dem Aufbau seiner Zeitung hatte er als Evangelischer im katholischen Land erhebliche Schwierigkeiten und mehr denn einmal schien es, als hätte sich gegen seine offene, unverhüllte politische Meinungsäußerung als Liberaler alles "Alldahiesige" verschworen. Er ließ sich jedoch nicht entmutigen und setzte sich immer wieder durch, nicht zuletzt aufgrund seiner Beliebtheit in weiten Kreisen.

August war sehr gesellig und sowohl in der Herrengartengesellschaft (Zweck derselben: gesellige Unterhaltung, insbesondere Kegeln), als auch vor allem als 1. Tenor im Männergesangverein MGV Liederkranz jahrzehntelanges aktives Mitglied und zeitweise Vorsitzender (im MGV von 1874 bis 1875 und 1877); [19] auch am Stammtisch der Honoratioren im Löwen fehlte er selten. Albert Sandfuchs jun. beschrieb ihn in seiner Familiengeschichte als einen mittelgroßen, untersetzten Mann, weißhaarig, mit Glatze und seinem typischen Knebelbärtchen; er ging infolge eines Schlaganfalles am Stock und trieb mit den Kindern und Enkeln gerne Schabernack (oder sie mit ihm). Er starb 1908; die Grabrede hielt der Pastorationsgeistliche Seufert am 1. September 1908, deren Druck sich im FSF befindet.

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August Sandfuchs und der Löwenstammtisch

Eine alte Wolfacherin, die in der Vorstadt wohnte, erzählte einst, sie habe nach August Sandfuchs die Uhr gerichtet, wenn er sich in Gesellschaft des alten Apotheker-Baur, Forstmeister Siegmund Gayer (1847-1926) u.a. zum Frühschoppen in den "Löwen" begab. Von einem der Frühschoppen existiert noch eine Fotografie. Am 25. September 1897 stattete der Haslacher Pfarrer und Hobby-Schriftsteller Heinrich Hansjakob (1837-1916) dem Löwen-Stammtisch einen Besuch ab, den er in seinem Buch "Abendläuten" beschrieb. [20] Den Gutacher Maler Curt Liebich (1868-1937) beauftragte er, die Stammtischgesellschaft mit Pinsel und Tusche festzuhalten, um sie in seinem Buch zu veröffentlichen. Auf der Zeichnung ist auch August Sandfuchs zu sehen. [21]

Curt Liebich war selbst Mitglied dieser Runde. In seinen Erinnerungen "Wie meine Jägerlaufbahn anfing und ausging" schrieb er, dass er öfters mit dem Rad von Gutach nach Wolfach fuhr, um bei der "lustigen Stammtischgesellschaft" dabei zu sein. [22] Einmal bat einer der Stammtischbrüder den Oberförster Gayer, einen Hasen, der ihm des öfteren die Kohlköpfe in seinem Garten abfraß, zu schießen. Gayer versprach dies zu tun. Im "Löwen" sollte es dann ein großes Hasenessen geben. Einige Tage später war der Hase erlegt. Am selben Tag hatte Gayer aber auch einen Fuchs geschossen. Die Löwen-Wirtin Springmann musste nun das Essen zubereiten und alle Stammtischbrüder erschienen, denn den Hasenbraten wollte sich keiner entgehen lassen. Gayer jedoch saß mit trüber Miene am Tisch, trank einige Schnäpse und klagte über seinen "verränkten" Magen. Er könne leider nicht mitessen, bekäme aber sonst Hasenbraten genug. Den anderen Stammtischbrüdern war dies nur recht, um so mehr blieb für sie von dem knusprig gebratenen Hasen übrig. Als alle sich satt gegessen hatten und voll des Lobes über den schmackhaften Hasenbraten waren, fragte der Oberförster Gayer plötzlich: "Wisst ihr auch, was ihr gegessen habt?" Erstauntes Schweigen - "Einen Fuchs!" platzte Gayer heraus. Ungläubige Gesichter, starre Blicke. "Frau Springmann!" rief Gayer und herein trat die Löwenwirtin, in der einen Hand ein Fuchsfell, in der anderen den Hasen, wie er geschossen worden war. Da würgte es den einen Stammtischbruder, sodass er sich kaum vom Tisch wenden konnte und schwer "seekrank" wurde. Einige stürzten hinaus mit Taschentüchern vor dem Mund. Nur einer sagte ganz ruhig: "I weiß garnit, was die wolle. Es hot ihne doch gschmeckt, un sie hätte no e Fuchs gesse, wenn no einer brote gsi wär!"

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Albert Sandfuchs (1873-1939)

Als Zweitgeborener - der ältere Bruder August starb kurz nach seiner Geburt - kam Albert Sandfuchs <12> im Elternhaus Vorstadtstraße 36 auf die Welt. Getauft wurde er durch den Wolfacher Stadtpfarrer Friedrich Schultheiß. Er wuchs mit seinen Schwestern Rosa und Emma auf, besuchte in Wolfach fünf Klassen der Volksschule und trat als Elfjähriger in die Quarta der Realschule Karlsruhe ein. Die Sexta hatte man ihm aufgrund seines längeren Volksschulbesuches und die Quinta wegen seiner bei der Aufnahmeprüfung gezeigten außerordentlichen Kenntnisse erlassen. (Verschiedene Schulzeugnisse sind im FSF vorhanden.)

Am 17. April 1887 feierte er in Wolfach seine Erstkommunion. [23] Nach Absolvierung des "Einjährigen" an der Oberrealschule (Gymnasium) Karlsruhe trat er 1889 beim Verleger Schmidt des Oberrheinischen Anzeigers in Müllheim in die Buchdruckerlehre ein, aus der er drei Jahre später als Schweizerdegen (ein Buchdrucker, der Schriftsetzer und Drucker ist) hervorging. Auf die Lehrjahre folgten fünf Wanderjahre. Er war in Saargemünd, Saarbrücken und Neunkirchen in den verschiedenen Zeitungsbetrieben des nach dem Deutsch-Französischen Kriege 1870/71 gegründeten General-Anzeiger-Unternehmens der Straßburger Druck- und Verlagsgesellschaft tätig: in der Saargemünder Zeitung, der St. Johann-Saarbrücker Post und zum Abschluss als Geschäftsführer in der Neunkircher Volkszeitung. Nach der Saarbrückener Tätigkeit wurde er als Soldat zum 10. Jägerbataillon in Colmar eingezogen, um jedoch nach zwei Monaten wieder als überzählig entlassen zu werden. Bevor er ins Saargebiet zurückkehrte, ging er ein Jahr zur Buchdruckerei Honsack nach Frankfurt a.M.

Als Albert 1897 in den elterlichen Verlag eintrat, war er als Buchdrucker, Verleger und Schriftleiter (Redakteur) ausgebildet. Er konnte seinen plänereichen Schaffens- und Gestaltungsdrang gleich in die Tat umsetzen: Auf seine Initiative hin wurde 1897 eine Bostonpresse für den Akzidenzbetrieb und 1898 eine neue Zeitungsschrift gekauft. Ein Jahr später wurde der Kinzigtäler an das Telefonnetz angeschlossen.

Seine Hochzeit im Mai 1901 mit Berta Baum <13> (1878-1950) nach einjähriger Verlobungszeit wurde im Badhotel im Kreise der Verwandten und der beiden Trauzeugen August Kullmann <50-ac> aus Frankfurt a.M. und Karl Bührer <54-bb> gefeiert. Es erschien eine gedruckte Hochzeitszeitung, die sich jetzt im FSF befindet. Nach der Heirat wohnte das junge Paar zuerst im ehemaligen Gasthaus zur Sonne (Hauptstraße 24, heute Offenburger Tageblatt), um später in die Vorstadtstraße 38 (neben dem Haus seiner Eltern) überzusiedeln. Auf ihrer Hochzeitsreise fuhr Alberts Cousin Eduard Kullmann <50-ah> als Fremdenführer mit ihnen in einer Droschke durch München. [24]

Von 1901 bis 1907 war Albert Sandfuchs Vorsitzender des am 22. April 1877 im Gasthaus Fortuna als Arbeiterbildungsverein gegründeten und 1895 umbenannten Wolfacher Gewerbevereins. [25] Sein Sohn Albert jun. <12-a> leitete genau 50 Jahre später, von 1951 bis 1958, ebenfalls diesen Verein.

Das Geschäft seines Vaters übernahm Albert am 1. Juli 1905 zum Preis von 60 000 Mark. Er machte ab 1909 aus dem bisher liberalen Kinzigtäler eine parteilose Zeitung und ließ sie vier- statt dreimal wöchentlich erscheinen. Die planmäßige Erweiterung des Heimatteiles durch ihn vor dem 1. Weltkrieg - als Anreiz bezahlte er den Berichterstattern einen Zeilenpreis - war auch durch die verstärkte Konkurrenz anderer Zeitungen bedingt. Er kaufte 1909 eine Typograph-Setzmaschine sowie eine der ersten in Wolfach auftauchenden Schreibmaschinen. 1911 erweiterte er den Wirtschaftsbau um eine im Familienkreis als "Neubau" bezeichnete zweistöckige Remise, kaufte für die Akzidenzdruckerei 1924 einen neuen Tiegel der Rockstroh-Werke in Heidenau und führte 1926 den Neubau des Maschinensaales durch. 1928 erfolgte die Inbetriebnahme einer Presse-Rundfunkanlage; durch den Radio-Dienst der Telegraphen-Union, seit 1933 DNB, konnte die Aktualität der Nachrichten verbessert werden. 1930 baute Albert im Wohnhaus Nr. 38 den Dachstock zu einer Wohnung aus. Für die Akzidenzdruckerei stellte er einen jungen Meister ein, unter dessen Regie bald die ersten Drucksachen in zwei- oder dreifarbiger Ausführung hergestellt wurden. Der Personalstand in der Druckerei stieg im Laufe der Zeit von drei auf sieben Mann.

Mit seiner Zeitung "Der Kinzigtäler", die fast siebeneinhalb Jahrzehnte im Amtsbezirk Wolfach erschien, hatte Albert Sandfuchs sen. schwere wirtschaftliche Kämpfe zu bestehen. Als der Zustand bedrohlich wurde und er die Einnahmen fast aller Geschäftsteile benötigte, um die Zeitung weiter zu halten, gab er dem jahrelangen Druck der Parteipresse nach und verkaufte das Verlagsrecht, ohne seinen Standpunkt zu ändern, dass für den Landkreis Wolfach eine Lokalzeitung mit Bezirksbedeutung erforderlich sei. Seine beiden ältesten Söhne Albert und Erich <6> hatte er ein Vierteljahr vor seinem Tod mit dem Verkauf beauftragt. Durch den Erlös konnten zu Beginn des Krieges eine vollautomatische Schnellpresse und neue Schriften für den Akzidenzbetrieb erworben werden.

Zu den Zeitungssorgen kamen als weitere Belastungen die wirtschaftlich schlechten Zeiten des 1. Weltkrieges, der Nachkriegsjahre mit Inflation, Arbeitslosigkeit usw. Manchmal brachte Albert sen. beim Zusammenzählen seiner täglichen Ladeneinnahmen nur einen einstelligen Markbetrag heraus und er formulierte sogar die Hoffnung auf einen neuen Druckauftrag oder eine Anzeige im Kinzigtäler mit dem Seufzer "Wenn nur endlich wieder jemand Rechter heiraten oder sterben wollte".

Er war stets voller fröhlicher Einfälle, wenn auch die Sorgen um sein Geschäft und die unermüdliche Arbeit ihn sehr belasteten, und führte ein harmonisches Familienleben. Er war ein großer Naturfreund und wanderte viel mit seiner Familie. In der Herrengartengesellschaft war er, wie schon sein Vater, lange Jahre Mitglied; auch in der Kommunalpolitik engagierte er sich als Stadtverordneter im Bürgerausschuss. [26] Er beteiligte sich aktiv im Turnverein, u.a. als Kassenwart und Beisitzer, und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Die Wolfacher Fasnet lag ihm besonders am Herzen. Er dichtete 1924 das sehr beliebte Fasnetlied über den "Wolfacher Durscht". Er besaß einmal ein gelb-rotes Hansel-Kostüm (ein ähnliches Häs ist heute im Heimatmuseum Wolfach zu sehen), das er an einen Bekannten in Hausach auslieh, aber nicht zurück bekam. Als man in Hausach nach dem 2. Weltkrieg wieder eine Hanselgestalt schaffen wollte, fand man das scheinbar "uralte" Sandfuchssche Häs, ohne zu wissen, dass es eigentlich aus Wolfach stammte, nahm es als Vorbild für ein neues Häs und kombinierte es mit einer alten Hausacher Larve. 1934 gehörte die Familie Sandfuchs zu den ersten zwölf Besitzern des damals neu geschaffenen Wolfacher Schellenhansels, der neben vielen anderen alten Fasnetkostümen heute noch benutzt wird.

Als großer Bücherfreund war Albert sehr belesen und als er in den letzten Jahren gebrechlich wurde, waren sein täglicher Gang zum Dämmerschoppen im Adler und seine Bücher seine kleinen Freuden, die ihm Abwechslung brachten. Das Ende des Kinzigtälers 1939 überlebte er nicht lange; einen Monat vor Ausbruch des 2. Weltkrieges starb er in Wolfach. In seinem Testament vom 19. Juni 1924 hatte er seine Frau "Berta Luise geborene Baum zur Universalerbin" seines gesamten Nachlasses eingesetzt. [27]

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Anmerkungen

  1. Über den Bergbau im Harz vgl.: Heinrich Morich u. Herbert Dennert (Bearb.), Kleine Chronik der Oberharzer Bergstädte und ihres Erzbergbaus, 4. erw. Aufl. d. Chronik der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld v. H. Morich, Clausthal-Zellerfeld 1974; Herbert Dennert, Bergbau und Hüttenwesen im Harz vom 16. bis 19. Jahrhundert dargestellt in Lebensbildern führender Persönlichkeiten, 2. erw. u. erg. Aufl., Clausthal-Zellerfeld 1986; Wilfried Ließmann, Historischer Bergbau im Harz. Ein Kurzführer, Köln 1992 (Schriften des Mineralogischen Museums d. Univ. Hamburg; Bd. 1). [Zum Text]
  2. Geologische Übersichtskarte des Harzes in: Ließmann, Historischer Bergbau im Harz, S. 6. [Zum Text]
  3. Wiedergabe der Bergfreiheit für Zellerfeld in: Morich u. Dennert, Kleine Chronik der Oberharzer Bergstädte, S. 10f. Vgl. Ließmann, Historischer Bergbau im Harz, S. 19. [Zum Text]
  4. Territorialkarte des Harzes für das 17. und 18. Jahrhundert in: Ließmann, Historischer Bergbau im Harz, S. 16. Karte des Bergbaugebietes von Clausthal-Zellerfeld ebd. S. 126. Stiche und Zeichnungen der Oberharzer Bergstädte und ihrer Bergwerke aus dem 17. bis 18. Jahrhundert in: Morich u. Dennert, Kleine Chronik der Oberharzer Bergstädte. [Zum Text]
  5. Zit. n. Ließmann, Historischer Bergbau im Harz, Einleitung. [Zum Text]
  6. Ebd. S. 39. [Zum Text]
  7. Albert Sandfuchs, Das Geschlecht Sandfuchs, Wolfach 1962; ders., Die Linie Sandfuchs, Wolfach 1948; ders., Stammbaum der Familie Sandfuchs, Wolfach o.J.; ders., 100jähriges Jubiläum von Druckerei und Verlag Albert Sandfuchs in Wolfach. In: ANK 21 (1970-10-17), Nr. 42, S. 29f; Wilhelm Sandfuchs, Die Geschichte des "Kinzigtälers". Ein Beitrag zum Werden der badischen Heimatpresse, Würzburg-Aumühle 1939 (Standnummer UB Freiburg: 1938 A 1297; Kopie im FAS). Das von Albert angelegte Familienarchiv (FSF) befindet sich bei Frank Schrader <1> und Bertram Sandfuchs <6-be>. [Zum Text]
  8. Albert Sandfuchs, Woher kommt der Name Sandfuchs?, Wolfach 1973. (Ms. im FAS.) [Zum Text]
  9. Wappensammlung Bässler Nr. 522. Entwurf im FSF. [Zum Text]
  10. 03.2.54.008; 31167 (siehe Ortsverzeichnis). Mitteilung von Frau Theda Tappen, Archivarin der Stadt Goslar, an Albert Sandfuchs von 1943 (im FSF). Die Kirchenbücher von Bockenem sind in Wolfenbüttel deponiert (FSF). [Zum Text]
  11. 03.1.53; gjz 38685 Langelsheim. [Zum Text]
  12. Zur Entwicklung des Lautenthaler Bergbaus vgl. Morich u. Dennert, Kleine Chronik der Oberharzer Bergstädte, S. 139-142. [Zum Text]
  13. Gedruckte Verlobungsanzeige im FSF. Vgl. Die Familie Weilbächer. [Zum Text]
  14. Kaufvertrag im FSF. [Zum Text]
  15. Ausführlich beschrieben ist die Geschichte des Kinzigtälers in: Sandfuchs, Die Geschichte des "Kinzigtälers". [Zum Text]
  16. Vgl. Disch, Chronik Wolfach, S. 690. [Zum Text]
  17. Abschrift im FSF. [Zum Text]
  18. Im FSF. [Zum Text]
  19. Jubläums-Festkonzert des "Liederkranz". In: ANK 21 (1970-11-07), Nr. 45, S. 6f; 150 Jahre Männergesangverein Liederkranz Wolfach 1845-1995, Wolfach 1995, S. 18, 53. [Zum Text]
  20. Über den Löwenstammtisch vgl.: Manfred Hildenbrand, Der Gutacher Maler Curt Liebich und die Stammtischgesellschaft im Wolfacher "Löwen". In: Wolftal-Journal, Ausgabe Oktober/November 2000, S. 11f. [Zum Text]
  21. Die Zeichnung ist abgebildet in: Heinrich Hansjakob, Abendläuten, 1. Aufl., Haslach 1900, S. 360; Hildenbrand, Der Gutacher Maler Curt Liebich, S. 11. [Zum Text]
  22. Die Erinnerungen Liebichs sind heute im Besitze seines Enkels Werner Liebich. [Zum Text]
  23. Fotoalbum Gretel Buß, im FAS. [Zum Text]
  24. Brief vom 15.2.1950 von Eduard Kullmann an Albert Sandfuchs jun. (im FSF). [Zum Text]
  25. Zum 90jährigen Bestehen des Gewerbevereins Wolfach. In: ANK 18 (1967-04-29), Nr. 17. [Zum Text]
  26. Disch, Chronik Wolfach, S. V. [Zum Text]
  27. Abschrift des Testamentes im FSF. [Zum Text]

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