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Die Familie Köhler <B>


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Rhinow - Die Heimat der Familie Köhler

Rhinower Berge

Die Stadt Rhinow ist malerisch eingebettet zwischen den Rhinower Bergen im Süden und dem Rhin, einem Nebenfluss der Havel, im Norden. Sie liegt nur 29 m über dem Meer, die höchste Erhebung ist der 110 m hohe Gollenberg bei Stölln. Das Landschaftsbild ist geprägt durch Sandhügel und Findlinge, die auf die Eiszeit zurückgehen.

Im Jahre 1216 wird Rhinow erstmals urkundlich erwähnt, doch schon zur Wendenzeit soll hier ein Ort gewesen sein. Vermutlich entstand die Burg Rhinow bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts durch Albrecht den Bären, der dann Kaufleute und Handwerker aus Holland und Flandern in der Nähe der Burg ansiedelte. Um 1281 erhielt Rhinow das Stadtrecht durch Prinz Cuni, einem Sohn des Markgrafen Johann II. von Brandenburg.

Rhinow

Der Sage nach soll Rhinow eine ansehnliche Stadt gewesen sein, umgeben von Mauern und Türmen und mit bis zu 6000 Einwohnern. [1] Sie lag vermutlich direkt am linken Ufer des Rhins an der Stelle, die den Gewannnamen "Alte Stadt" trägt. Im Jahre 1379 belagerte Johann von Cottbus im Auftrag des Markgrafen Siegesmund die Feste Rhinow und nahm sie ein, wobei vermutlich der Ort völlig zerstört wurde. Südlich der Trümmer der alten Stadt gründeten die wieder zurückgekehrten Rhinower Bürger eine neue Siedlung, die den Namen sowie die Stadt- und Marktrechte der "Alten Stadt" übernahm.

Kirche in Rhinow

Die Rhinower Bürger traten im Jahre 1540 zum Protestantismus über. Während des 30-jährigen Krieges - um 1636 - wurde Rhinow ein zweites Mal zerstört. Gut 100 Jahre später - 1735 - fiel fast der gesamte Ort einer Feuersbrunst zum Opfer.

Jahrhundertelang bestand der Ort nur aus 27 Großbürger- und 10 Kleinbürgerstellen, woraus sich auf eine ungefähre Einwohnerzahl von 370 schließen lässt. Erst im 19. Jahrhundert gab es eine bedeutende Vergößerung der Stadt, verbunden mit einem Aufschwung des Handwerkes. Im Jahre 1891 bestand der Ort aus 136 Häusern, in denen in 283 Haushalten 1228 Menschen lebten.

Zu literarischem Ruhm gelangten die Stadt und ihre Umgebung durch Theodor Fontanes Buch "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Statt mit einem Vorwort begann er den dritten Band seines 1872 erschienenen Werkes mit dem Gedicht Havelland.

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Die Geschichte der Familie Köhler

Friedrich Köhler <B-E>, geboren 1768 zu Arneburg an der Elbe, erlernte das Bäckerhandwerk und ging danach auf die Wanderschaft. [2] Im Jahre 1793 kam er als reisender Bäckergeselle nach Rhinow, fand Arbeit beim Bäckermeister und Kleinbürger Johann Schmidt und blieb dort, nachdem der Schmidt geistig schwach geworden war. Nach Schmidts Tod im Jahre 1795 heiratete er dessen Witwe Marie Honhold, geboren 1770, und wurde am 27. November 1795 Holzbürger und Bäckermeister in Rhinow. Stiefkinder waren mehrere vorhanden, drei weitere Kinder kamen hinzu. Im Jahre 1813 wird er als Besitzer der Holzbürgerstelle genannt, die bis zu dessen Tod 1795 Johann Schmidt gehört hatte. [3]

Im Jahre 1825 wurden die Bürger Rhinows durch eine Erbschaft in große Aufregung versetzt: [4] Der bisherige Holzbürger Friedrich Köhler bekam unverhofft die Nachricht aus Hamburg, die Summe von 40 000 Talern zu erben. In Begleitung seines Schwiegersohnes Schultze trat er die Reise an und kehrte einige Wochen später mit dem Geld wieder zurück. Er war nunmehr der reichste Mann in Rhinow. Da das Schönsche Gut, welches damals schon aus mehreren Ackerbürgerwirtschaften bestand, gerade zum Verkauf stand, erwarb es Köhler und wurde damit zum Großackerbürger. [5] In der Nähe einer 1820 links am Wege nach Stölln erbauten Windmühle errichtete Köhler im Jahre 1827 eine Ziegelei, [6] die aber bereits nach wenigen Jahren wieder abgetragen wurde, denn 1832 kam Köhler ins Schuldgefängnis, um dann daraus entlassen als Ortsarmer zu sterben. Wie war das möglich? Mancher seiner Mitbürger mag auch damals verwundert so gefragt haben, da sie niemals eine Verschwendung bei ihm bemerkt hatten. Die Erklärung ist: sein Geld bestand in holländischen Papieren, deren Wert er nicht kannte, desto besser aber von anderen erkannt wurde.

Friedrich Köhlers erstes Kind Caroline Köhler <BE-a>, geboren 1796, verheiratete sich im Jahre 1816 mit dem Brauereibesitzer Schultze in Wittstock und hinterließ zwei Töchter.

Ihr Bruder Karl Köhler <BE-b>, geboren 1798, erlernte bei seinem Vater die Bäckerei, diente darauf in Ruppin beim 24. Regiment die damals übliche Zeit von sechs Monaten und übernahm 1824 die väterliche Wirtschaft. Die Pastorenwitwe Dorothea Schinkel verkaufte hierauf ihre frühere Hofstelle, die vormals Tugmersche Wirtschaft, kaufte sich das Grundstück Karl Köhlers und vereinigte beide Wirtschaften, die sie nun mit ihm gemeinschaftlich bewirtschaftete. 1821 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. Er starb 1839 ohne Nachkommen.

Ludwig Köhler <B-D> (1800-1855) erlernte das Tischlerhandwerk und diente darauf wie sein Bruder in Ruppin beim 24. Regiment sechs Monate, verheiratete sich 1822 mit Christiane Mützlitz, der 1800 geborenen Tochter des Zimmermeisters und Bergkrügers Mützlitz <BD-A>, und bezog mit ihr das von ihnen gekaufte halbe Haus im Sandende in Rhinow und betrieb hier das Tischlerhandwerk. Später verkaufte er sein Haus und kaufte dafür den Gürtelschen Gasthof (eine Holzbürgerstelle) am Kleinen Platze, als dessen Besitzer er 1843 verzeichnet ist. [7] Er richtete dort einige Jahre darauf noch eine Bäckerei ein. [8] Sie hatten sieben Kinder.

Emil Köhler <BE-ca>, geboren 1823, kam ins Garde-Wehr-Grenadier-Regiment und avancierte im Feldzug 1849 zum Feldwebel. Später erwarb er sich in Wilsnack einen Gasthof nebst Materialhandlung und war dort einige Zeit stellvertretender Bürgermeister und Kommandeur des Schützenvereins. Nach eingetretenem Konkurs wurde er "Bureauvorsteher" im Deutschen Gewerbemuseum zu Berlin. 1853 heiratete er seine Cousine Friedericke Mützlitz, die Tochter des Steuerbeamten Mützlitz in Aschersleben. Sie hatten drei Töchter und drei Söhne.

Richard Köhler <40> (1825-1886) erlernte die Tischlerei und ging nach vollendeter Lehrzeit auf die Wanderschaft, die Provinzen Brandenburg, Preußen, Posen und Schlesien bereisend. Als ihm im Winter in Glewitz, während hoher Schnee lag und eine grimmige Kälte herrschte, die Arbeit von seinem Meister gekündigt wurde und er unmöglich weiterwandern konnte, nahm er gern das Angebot eines Brauereibesitzers an, sich in dessen Brauerei seinen Unterhalt zu verdienen. Er eignete sich bald einige Kenntnisse im neuen Fach an, sodass ihm sein neuer Brotherr zuredete, sein früheres Handwerk aufzugeben und Brauer bei ihm zu bleiben. Er schlug das Angebot aber aus, wanderte im Sommer weiter und wurde 1845 Soldat im 35. Reserveregiment in Saarlouis, später Mainz, Frankfurt a.M. und Luxemburg; er besuchte von dort aus die französische Festung Metz. Nachdem er drei Jahre gedient hatte, brach die Revolution aus, und er musste nun fast noch ein Jahr dienen. Danach gelangte er wieder in die Heimat und betrieb im Haus seines Vaters die Tischlerei.

Nach einigen Jahren gab er die Tischlerei auf und half in der väterlichen Bäckerei. Darauf offenbarte er seinem Vater, dass er in seinen Wanderjahren die Brauerei erlernt hatte und bat ihn, ihm eine kleine Brauerei einzurichten. Sein Vater willigte ein und baute diese im Jahre 1852. Nachdem Richard ein Jahr gebraut hatte, erlangte er noch die Konzession zu einer Gastwirtschaft. Er erwarb 1853 von Michel Salinger dessen Großackerbürgerstelle. [9]

Lange Zeit bekleidete Richard Köhler das Amt eines Schiedsrichters der Stadt Rhinow. Im März 1857 heiratete er die gegenüber von ihm wohnende Elisabeth Giese, geboren 1832. Im Jahre 1858 kam ihr einziger Sohn Emil <20> zur Welt. Berühmt durch seine Witze und Anekdoten, die ihm nach seinem Tode immer noch nachgerühmt wurden, wurde sein Andenken lange wacherhalten.

Über Ottilie Köhler <BE-cc> ist nur bekannt, dass sie 1828 in Rhinow geboren wurde und verheiratet war. [10]

Reinhard Köhler <BE-cd>, geboren 1830, erlernte zuerst die Tischlerei, sodann die Müllerei, diente darauf drei Jahre beim Reserve-Garde-Regiment in Berlin und übernahm 1853 die ihm vom Vater erbaute Mühle. Im Jahre 1862 heiratete er die Schwester seiner Schwägerin, Augustine Giese <BCA-b>. Ihnen wurden zwei Töchter und acht Söhne geboren. Lange Zeit war Reinhard Köhler Stadtverordneter der Stadt Rhinow. Geschäftlich konnte er es zu nichts bringen; seine Verhältnisse verschlechterten sich von Jahr zu Jahr. Daher erschoss er sich aus Verzweiflung am 30. Dezember 1885.

Berthold Köhler <BE-ce>, geboren 1832, erlernte die Bäckerei und trat darauf freiwillig beim Militär ein. Er nahm 1864 mit fünf weiteren Rhinower Bürgern an einem Feldzug teil. [11] Er war verheiratet mit Lina NN [12] und übernahm die Holzbürgerstelle seines Vaters. [13]

Emil Köhler <20>, geboren 1858, wurde Brauereibesitzer und heiratete Therese Nitzke <21>. Sie hatten einen Sohn und drei Töchter: Walter, Olga, Elisabeth und Klara, die alle heirateten. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1886 dessen Großackerbürgerstelle. Im Jahre 1891 erschien die von Emil geschriebene "Chronik der Stadt Rhinow" im Druck; er verfasste außerdem die handschriftliche "Genealogie der Familie Köhler zu Rhinow" und 1907 ein Gedicht über Rhinow: [14]

Mein Heimatort
Großstadt Rhinow, hört man sagen,
ist doch eine schöne Stadt.
Liegt im Tale an dem Rhine
und zwölfhundert Leutchen hat.
Auf dem schönen Bismarckplatze
auch ein Denkmal kann man sehen.
Nur eine Brille muß man sich kaufen,
denn es ist ja furchtbar kleen.
Als wir einst Laternen kriegten -
ach, ich weiß es noch wie heut',
blickten staunend zu den Leuchten
alle unsere Rhinower Leut'.
Später konnte man sie
    seltener brennen sehen.
Heute muß schon
    Mondschein im Kalender stehen.
Auch die Optik hier im Orte
    geht mit riesen Schritten fort.
Residenzstadt wird's noch werden
    unser lieber Heimatort.
Eine Eisenbahnstrecke
    buddeln sie im Berg herum.
Ob die Herzen profitieren? -
    arüber schweigt das Publikum.
Wie in anderen großen Städten
einen Bahnhof kann man sehen.
Doch zuvor muß man sich stärken,
denn es ist recht weit zu gehen.
Dort nun endlich angekommen,
    sieht man, wie der Zug abgeht,
weil die Uhr im Turme Rhinow,
hat der Wind zurückgedreht.
Nun strömt herbei ihr Völkerscharen,
unsere schöne Stadt zu sehen.
Wer die paar Groschen will sparen,
der läßt sich was entgehen.
Hohe Berge, grüner Rhinstrom,
Ziegeleien mit Betrieb.
Kann's mir da ein Mensch verdenken,
daß ich hab die Stadt so lieb?

Emil Köhler und seine Familie könnten Augenzeugen der ersten Flugversuche des Flugpioniers Otto Lilienthal gewesen sein: Im Sommer 1893 verlegte Lilienthal seinen Hauptübungsplatz in die Rhinower Berge um Rhinow und Stölln und erprobte dort bis zu seinem Tod durch einen Absturz 1896 seine Hängegleiter. [15]

Walter Köhler <10> (1879-1915) heiratete 1909 Johanna Rennert <11> aus Altchemnitz. Sie wohnten in Rhinow in ihrem Haus Lindenstraße 3. Walter starb im 1. Weltkrieg beim Angriff auf Frankreich. Seine Witwe heiratete später Otto Grunow, der zunächst Polizist in Berlin und dann Jagdaufseher gewesen war, und wohnte mit ihm in Netzen; die Ehe blieb kinderlos. Walters Schwester Liesel <20-c> heiratete einen Herrn Angermann in Brandenburg/Havel und hatte drei Kinder, Claire <20-d> heiratete einen Herrn Baumgart. Liesel und Claire wohnten nach dem Kriege zusammen in Brandenburg/Havel in der Friesenstraße 1. Olga Köhler <20-b> war in Berlin-Zehlendorf verheiratet mit einem Herrn Nickel und wohnte dort im Isenheimerweg 4.

Walters einziges Kind, Friedel Köhler <5> (1913-1991), besuchte das Lyceum, eine höhere Töchterschule und wohnte in ihrer Jugend längere Zeit in Berlin. Dort rauchte sie bei der Familie Reuters mit ihrer Freundin ihre erste Zigarette. Friedel arbeitete einige Jahre im Haus ihrer Patentante und in der Brillenindustrie; 1933 heiratete sie in Insterburg Paul Schrader <4> (1906-1963). [16]

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Anmerkungen

  1. Zur Geschichte Rhinows s. Emil Köhler, Chronik der Stadt Rhinow, Rathenow 1891; M.L. Haase, R. Fleischmann, M. Steinlein: Festschrift der Stadt Rhinow zur 775 Jahrfeier, Brandenburg 1991 (Umschlagtitel: Stadt Rhinow. 775 Jahre Rhinow). [Zum Text]
  2. Die Quelle zu diesem Abschnitt ist eine Handschrift Emil Köhlers <B-B>, von der ein Teil abgerissen wurde; einige Lebensläufe sind deshalb nicht vollständig. [Zum Text]
  3. Köhler, Chronik Rhinow, S. 45. [Zum Text]
  4. Köhler, Chronik Rhinow, S. 85f. [Zum Text]
  5. Köhler, Chronik Rhinow, S. 41. [Zum Text]
  6. Köhler, Chronik Rhinow, S. 84. [Zum Text]
  7. Köhler, Chronik Rhinow, S. 46. [Zum Text]
  8. Weiterer Lebenslauf befindet sich auf dem abgerissenen Teil der Köhler-Genealogie. [Zum Text]
  9. Köhler, Chronik Rhinow, S. 38. [Zum Text]
  10. Weiterer Lebenslauf befindet sich evt. auf dem abgerissenen Teil der Köhler-Genealogie. [Zum Text]
  11. Köhler, Chronik Rhinow, S. 96. [Zum Text]
  12. Weiterer Lebenslauf befindet sich evt. auf dem abgerissenen Teil der Köhler-Genealogie. [Zum Text]
  13. Köhler, Chronik Rhinow, S. 46. [Zum Text]
  14. Gedicht abgedruckt in Haase/Fleischmann/Steinlein, Festschrift der Stadt Rhinow, S. 4. [Zum Text]
  15. Werner Schwipps, Lilienthal, 2. Aufl., Berlin 1986, S. 256, 268. Bilder von den Flugversuchen Lilienthals in den Rhinower Bergen finden sich in Ders., Der Mensch fliegt. Lilienthals Flugversuche in historischen Aufnahmen, Koblenz 1988, S. 77-84. [Zum Text]
  16. Weiterer Lebenslauf von ihr siehe Die Familie Schrader. [Zum Text]

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