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Die Familie Vivell <AA>


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Die Auswanderung nach Wolfach

Die Einwohnerschaft der Stadt Wolfach bestand früher aus Bürgern und "Beywohnern" oder Hintersassen. Die Bürger hatten besondere Rechte und Pflichten; insbesondere durften sie selbstständig ein Gewerbe oder eine "Handthierung" treiben und waren wählbar für städtische Ämter und Dienste. Als Kind eines Bürgers erlangte man das Bürgerrecht mit seiner Verheiratung. Ortsfremde mussten dagegen genau festgelegte Bedingungen erfüllen, um als Neubürger aufgenommen zu werden. Neben der Zahlung eines hohen Geldbetrages (ab 1669: 150 fl) mussten sie ihre eheliche Abstammung nachweisen und eine hiesige Bürgerstochter oder einen Bürgerssohn heiraten. Ledigen Standes gab es nur unselbstständige Arbeiter oder Knechte. [1] Über die Bürgeraufnahme eines Ortsfremden berichtet ein Wolfacher Ratsprotokoll vom 7. September 1684: [2]

Peter Vifel [<AA-G>; Pierre Fiuel], aus Rassi [Passy] in Sovoien gebürtig, thuet gebührend umb das Burgerrecht anhalten, mit Vermelden, daß er sich mit einer ehrlichen Burgertochter [Katharina Armbruster] allhier verheurathen, zumalen auch seiner khünftigen Schwiegermutter, Ursula Losinger, das halbe Haus abkaufen wolle. Ist diesmalen zur Geduld gewiesen, jedoch mit dem Anhang, daß wenn er sein ehrlich Geburtsbrüeff und das zue Erlangung allhiesigen Burgerrechts erfordernde Gelt aufweisen werde, solle ihmen, in einem und anderm guter Beschaidt erteilt werden.

Vier Monate später, am 8. Januar 1685, steht geschrieben:

Heundt dato hat Peter Fivel, Cramer auß Sovoien gebürtig, seine zue Erlangung allhiesigen Burgerrechts erfordernden 150 Gulden neben seinem Gebuhrtsbrief und daß derselbe keinen nachjagenden Herrn habe, sondern totaliter frey seye, vor einem ehrs. Rat erlegt, warüberhin gedachter Peter Fivel zue einem Burger auf- und angenommen und angelobt, daß solches Gelt sein aigen und ohnbekhümmert Guth seye.

Das von Peter Vivell seiner Schwiegermutter abgekaufte "halbe Haus" (heute Eisenhandlung Klein, Hauptstraße 22) brannte in den Jahren 1695 und 1799 ab. [3] Der 1801 erstellte Neubau blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein im Besitz der Linie "Eisen-Vivell".

Peter war der erste Vivell in Wolfach. Von ihm stammen alle heute in Deutschland lebenden Vivells ab. [4] Über 200 Jahre nach Peters Auswanderung besuchte sein Nachfahre Joseph Vivell, Ingenieur in Berlin (Linie Eisen-Vivell), den Ort Passy, wo damals noch eine Anzahl Familien Fivel und Fivel-Demoret lebten. Auf dem Friedhof fanden sich zwölf Grabsteine mit diesem Namen. (N.B. Théodore Fivel (1828-1894) aus Abbiez-le-Vieux, Architekt, seit 1868 Mitglied der Académie de Savoie, entwarf u.a. die Pläne der Kirche von Thonon.) [5] Da die Kirchenbücher von Passy aus dem 17. Jahrhundert bei einem Kirchenbrand vernichtet wurden, kann die Ahnenreihe Vivell nicht weiter zurückverfolgt werden.

Passy liegt 700 Meter hoch in der Nähe von St. Gervais (Haute-Savoie) und der Montblanc-Kette. [6] Das Herzogtum Savoyen war bis 1796 politisch selbstständig und gehörte zum Heiligen Römischen Reich. Savoyen wurde u.a. durch die Hochgebirgslage und das Klima zu einem Auswanderungsland, zumal in wirtschaftlichen Notzeiten. In den angrenzenden Gebieten waren die in großer Zahl auswandernden Savoyarden nicht immer willkommen.

Peter war nicht der einzige Vivell, der nach Deutschland auswanderte. Der Salzhändler und Zeugkrämer Joseph Vivell aus Savoyen kam 1689 nach Offenburg, wo er als Bürger angenommen wurde; er war verheiratet mit Maria Magdalena Rotmann. [7] Sein Sohn Franz Leonhard Fivell wurde am 22. Oktober 1699 in Offenburg geboren, ging seit 1715 in Gengenbach bei dem bekannten Bildhauer Philipp Winterhalder in die Lehre, heiratete am 14. Mai 1723 in Offenburg Anna Maria Sibert und starb dort am 9. Januar 1737. Franz Leonhard fertigte u.a. die Dekorationen eines um 1730 entstandenen Orgelprospektes der ehemaligen Abteikirche in Gengenbach an; die Figuren stammen von Matthias Hirschfeld aus Zabern. Der Prospekt befindet sich heute im Freiburger Augustinermuseum. Ob und wie die Offenburger Vivells mit den Wolfachern verwandt sind, konnte ich noch nicht klären.

Ausgehend von Peter Vivell verzweigt sich das Geschlecht in viele Linien und immer wieder waren die Vivells als Kaufleute tätig, ergriffen aber auch andere Berufe. [8] Obwohl in Wolfach keine Zunft der Kaufleute bestand, gab es bei ihnen eine genaue Abgrenzung der Arbeitsfelder: [9] Handelsleute handelten hauptsächlich mit Tuch; die Cramer waren Kleinhändler in den verschiedensten Artikeln; die Cremppen verkauften vornehmlich Salz, Tabak, Lebensmittel sowie meist von ihnen selbst hergestellte Lichter und Seife. Überschreitungen des vorgeschriebenen Bereichs und gegenseitige Eingriffe in ihre Rechte waren bei den Kaufleuten viel häufiger als bei den Handwerkern. So erfolgte nach etlichen Klagen vor dem Wolfacher Rat im Jahre 1700 eine offizille Aufteilung der Kaufleute: als Handelsleute wurden bestimmt Johann Neff und Jacob Bruzetto, zu den Cramern zählten Peter Vivell und Hans Jerg Schilling, Cremppen waren Georg Schmid, Franz Neff und Zachar Beck.

Peters Sohn Johannes Vivell <AA-F> (1688-1756) belieferte im Polnischen Thronfolgekrieg die einquartierte Kavallerie mit Heu. Als vom 19. zum 20. Oktober 1735 "schier ganz Hausach verbrannt", fielen auch "110 Zentner Hew umb 105 fl" den Flammen zum Opfer, die "Johannes Fivell lifferant und Consorten [Rotgerber Joseph Willmann und Sonnenwirt Johannes Müller], so die Cavallerie mit dem rauen Futter versehen, gekauft haben". [10] Daraus entstand ein Rechtsstreit, wer nun den Schaden zu tragen habe. Die Wolfacher Brand-"Societät" behauptet, "das Hew gehöre erst ihnen, wenn es ihnen unter die Handt gebracht", während Hans Jörg Waidele aus Hausach darauf besteht, "der Kauf sei abgeschlossen gewesen". Es wird entschieden, dass die "Wolfacher Societät [...] den eingeklagten Kaufschilling von 105 fl zu zahlen schuldig" ist. (Nach altem Wolfacher Herkommen hatte der Verkäufer eines Hauses dieses noch vier Wochen vom Kauftag an "in seiner Gefahr". "Fahrnisse" dagegen standen gleich nach abgeschlossenem Verkauf für den Käufer in Gefahr, auch wenn dieser sie noch nicht in Besitz genommen hatte.)

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Die Vivells im 19. und 20. Jahrhundert

Adolf Vivell <28> (1844-1914) übernahm zum 1. März 1876 unter eigenem Namen das "Colonial- & Manufactur-Waaren-Geschäft nebst Waaren-Ausständen", [11] das an der Ecke Vorstadtstraße/Kirchstraße lag, von seinem Vater Carl Vivell <56> (1811-1892) und heiratete gut zwei Monate später Luise Cammerer <29> (1852-1932) aus Villingen. Bei der Sparkasse Wolfach, der sein Onkel Johann Baptist Vivell <AAD-a> (1808-1879; Linie "Eisen-Vivell") von 1845 bis 1878 vorstand, war Adolf von 1881 bis 1899 als Kontrolleur und von 1899 bis 1914 als Kassier (Sparkassenrechner) tätig. [12] Adolf war Mitglied in der Herrengartengesellschaft und sang im Männergesangverein Liederkranz, den er von 1880 bis 1890 als Vorsitzender leitete. [13] Adolf gehörte bei der Gründung des 1881 entstandenen "Verschönerungsvereins", der 1888 zum "Schwarzwaldverein" wurde, zum Aktionsausschuss und wurde später Rechner des Vereins. [14]

Von 1887 bis 1914 war er Kommandant der 1860 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Wolfach, die während seiner Amtszeit einen sehr guten Ruf genoss. Unter ihm erfolgte die Anschaffung vieler zeitgemäßer Geräte. [15] Er führte Nachtübungen ein, gliederte um 1900 die Sanitätskolonne in die Feuerwehr ein und wurde 1905 zum Bezirksfeuerlöschinspektor ernannt. Beim großen Rathausbrand 1892 hatte die Wehr unter seinem Kommando die größte Bewährungsprobe seit ihrer Gründung. [16]

Am 1. Oktober 1904 übergab Adolf Vivell seinem Sohn Wilhelm <14> (1877-1950) sein "Manufakturwaren-, Aussteuer- und Colonialwaren-Geschäft" am Kirchplatz. [17] Gut einen Monat zuvor hatte Wilhelm Elisabeth Schwab <15> (1882-1945) aus Donaueschingen geheiratet. Ihre Nachfahren stammen über die Ahnenreihen Schwab-Geßler-Lentz-Hohenberg nachweislich von Karl dem Großen ab. [18] 1909 ließ Wilhelm eine Halle am Kirchplatz für die im Jahr zuvor eingerichtete Möbelabteilung erbauen, die er in späteren Jahren durch den Neubau eines modernen Geschäftshauses zum "Laden am Kirchplatz", dem "führenden Kaufhaus am Platze", erweiterte. Er besuchte Textil-Ausstellungen (z.B. in Hornberg und Frankfurt), bei denen u.a. seine Tochter Elsa <7> gemeinsam mit ihrer Schneider-Lehrmeisterin Frl. Fehrenbacher beim Aufbau halfen.

Wilhelm Vivell sen. war längere Zeit im Gemeinderat und im Stiftungsrat der katholischen Kirchengemeinde tätig, war Mitglied im Historischen Verein für Mittelbaden und in der Herrengartengesellschaft und sang im Kirchenchor. Im 1. Weltkrieg war er beim Div.-Brückentrain als Unteroffizier eingesetzt und erhielt das Kriegsverdienst-Kreuz. [19]

Im Jahre 1919 kaufte Wilhelm das Gasthaus "Zum Kranz" und richtete darin 1922 das erste regelmäßig arbeitende Kino in Wolfach ein, das seit 1933 "Tonfilmtheater Wolfach" und seit dem 11. September 1953 "Kranz-Lichtspiele" hieß. Im "Kranz" waren schon seit 1909 im geräumigen Theatersaal gelegentlich Stummfilme gezeigt worden. [20] In den 20-er Jahren halfen seine Töchter im Kino als Kassiererinnen aus. Sein Sohn Hans <14-d> (1909-1996) absolvierte in Frankfurt 1930 eine Prüfung zum Lichtspielvorführer, sein Sohn Konrad <14-c> (1907-1983) übernahm nach 1950 das Kino. Konrad brachte durch seine Bekanntschaft mit der Leiterin des Gloria-Filmverleihs in München meist aktuelle Filme ins Kino, die er dort mit dem Auto direkt abholte (normalerweise kamen sie per Zug), und die sonst nicht so schnell den Weg in das kleine Wolfach gefunden hätten. Durch die räumliche Distanz - er wohnte in Landsberg am Lech - konnte er das Kino aber nicht halten, verpachtete es ab September 1955 an Walter Schubert und verkaufte das Gebäude 1969 an die Stadt Wolfach, die es 1970 abriss, um Parkplätze zu schaffen.

Nicht nur für die Sandfüchse spielte die Stadt Karlsruhe eine gewisse Rolle in ihrem Leben. 1918 existierte in Karlsruhe die Kunsthandlung Wilhelm Vivell (Künstlerischer Wandschmuck, gediegene Einrichtungen, Kunstblätter, Fotografie-Rahmen); die Familie von Fridolin Vivell <56-d> (1853-1937; Architekt und Stadtrat in Karlsruhe) wohnte dort seit 1882.

Nachdem Wilhelm sich zur Ruhe gesetzt hatte, übernahm Wilhelm Vivell jun. <14-i> (1920-1991) den "Laden am Kirchplatz" und Hans das "Textilfachgeschäft Wilhelm Vivell". Wilhelm jun. eröffnete 1950 wieder die Möbelabteilung und benannte das Geschäft im Jahr darauf in "Kaufhaus Vivell" um. 1958 zog das Kaufhaus Vivell in das Krausbecksche Haus (das frühere "Kaufhaus am Schützeneck") um, das zuvor umgebaut und mit einer durchgehenden Schaufensterfront versehen worden war, und wurde am 25. Juli eröffnet. Das Angebot an Hausrats-, Glas-, Porzellan- und Spielwaren wurde um kunstgewerbliche Geschenkartikel erweitert. Im Laden am Kirchplatz eröffnete Wilhelm jun. am 16. November 1958 das erweiterte Möbelgeschäft (1987/88 umgebaut zum katholischen Gemeindehaus). In den 70-er Jahren machte er aus seiner Spielwarenabteilung das Geschäft "Spielwaren-Vivell" in der Hauptstraße (heute "Spielwaren-Seger").

Wilhelm Vivells Tochter Klothilde <14-f> (1914-1988) heiratete bereits mit 19 Jahren den Oberregierungsmedizinalrat Odilo Fleig (1893-1970). Odilo ist ein Bruder von Prof. Dr. phil. Edgar Fleig (?-17.8.1945 Wolfach), der Lehrer in Gernsbach, Gymnasialprofessor in Freiburg und Düsseldorf und von 1942 bis 1945 Lehrer an der Mittelschule in Wolfach war; er plante eine Biografie von Moritz Lieber und Karl Ernst Jarcke (politische Denker im Vormärz). [21] (Edgar ist der Vater Raimund Fleig, Saragossa.)

Am 29. und 30. Mai 1982 fand in Wolfach ein Treffen der Vivell-Familien statt auf Initiative von Wolfgang Vivell <14-hb>.

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Elsa Vivell (1905-1972)

Elisabeth (Elsa) Vivell <7> wurde am 6. August 1905 - einem Sonntag - mittags um 12 Uhr 45 geboren. [22] Sie wog 3125 g und war 50 cm groß. Getauft wurde sie an Maria Himmelfahrt, dem 15. August 1905, in der Wolfacher Stadtkirche durch Vikar Otto Peitz. Taufpaten waren Therese Schwab <30-b> und Oskar Vivell <28-d>.

Elsa machte eine Lehre als Damenschneiderin bei Frl. Fehrenbach und bestand am 25. Oktober 1926 die Gesellenprüfung. Im Textilgeschäft ihres Vaters und nach der Heirat 1933 mit Erich Sandfuchs im Sandfuchsschen Schreibwarengeschäft arbeitete sie als Kauffrau. Sie konnte Klavier spielen und war wie ihr Mann sehr aktiv an der Wolfacher Fasnet beteiligt und erhielt am 10. Februar 1955 den Großen Hanselorden und am 27. Januar 1959 den Wohlauforden. Auch im Turnverein war sie aktiv, der sie am 7. Januar 1962 mit der silbernen Vereins-Ehrennadel auszeichnete.

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Coelestin (Max) Vivell (1846-1923)

Der Musikforscher Coelestin (Max) Vivell, [23] geboren am 21. Oktober 1846 in Wolfach, gestorben am 10. März 1923 in Seckau (Steiermark), besuchte ab 1860 das Gymnasium in Offenburg und ab 1867 das Lyzeum in Konstanz. Ursprünglich wollte er die Offizierslaufbahn einschlagen, entschied sich aber 1869 für das Priesterseminar in Freiburg i.Br. und trat 1871 in das Kloster Beuron ein. Dort legte er am 27. April 1873 die Profess (die ewigen Gelübde) ab; am 28. Mai 1874 erhielt er zu Rottenburg a.N. die Priesterweihe. [24] Er kam nach Beuron und wurde dort aufgrund seiner guten Leistungen als Chorsänger zum Cantor ernannt. Durch die Gottesdienstordnung in Beuron ergab dieses Amt eine größere Verantwortlichkeit für den Chor als in der liturgischen Organisation französischer Klöster. Nach seinen Studien in Beuron nahm er wegen seinen sängerischen Fähigkeiten an mehreren Neugründungen der Beuroner Benediktiner teil: So war er 1875-82 in der neuen belgischen Abtei Maredsous, kam im Zusammenhang mit dem Kulturkampf über Beuron im Jahr 1883 nach Emaus in Prag und bezog im gleichen Jahr als einer der ersten Ansiedler die neugegründete Abtei Seckau, in der er verschiedene Ämter bekleidete (u.a. das des Cantors) und bis zu seinem Tode blieb.

Von 1902 an veröffentliche Vivell Studien, die die Reform des Chorgesangs in Deutschland begünstigten. Er führte eine lebhafte wissenschaftliche Korrespondenz; der Schwerpunkt seiner Forschungen lag auf dem Gebiet des gregorianischen Chorals. Im Gegensatz jedoch zu Peter Wagner, einem Mitglied der Vatikanischen Kommission, der seine Forschungen hauptsächlich dem Studium der in Büchern notierten Gesänge widmete, konzentrierte sich Vivell auf die mittelalterlichen Theoretiker. Er führte damit auch die Arbeit seines Landsmannes Martin Gerbert (1720-1793) [25] und von Coussemacher (gestorben 1876) fort; Vivells wichtiges Verzeichnis "Initia tractatuum musices" (1912) basierte auf Ausgaben der beiden Genannten von 1784 und 1864. Seine musiktheoretischen Studien haben heute noch Bedeutung, [26] obgleich der "Commentarius anonymus in Micrologum", den er nur nach einer Wiener Vorlage edierte, mittlerweile eine quellenmäßig besser fundierte wissenschaftliche Ausgabe durch J. Smits van Waesberghe gefunden hat. Coelestins persönliche Bescheidenheit ließ es nicht zu, öffentlich oder im Kreise seiner Mitbrüder über seine eigenen Studien und Publikationen zu sprechen. Sein handschriftlicher Nachlass befindet sich im Abteiarchiv Seckach (Kat. Nr. 39).

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Oskar Vivell (1917-1981)

Oskar Vivell <14-h> besuchte das Berthold-Gymnasium in Freiburg und studierte dort nach seinem 1937 bestandenen Abitur fünf Semester lang Philosophie und katholische Theologie. [27] In Königsberg begann er 1940 sein Medizinstudium und setzte es nach seiner Militärzeit in Berlin und Freiburg fort. Dort legte er 1946 das Staatsexamen ab. Nach seiner Pflichtassistenzzeit an der Universitätsfrauenklinik, Hautklinik und Medizinischen Klinik in Freiburg arbeitete er ein Jahr bei Prof. Dr. Büchner am Pathologischen Institut und war seit 1949 als Assistent, seit 1954 als Privatdozent und seit 1960 als außerplanmäßiger Professor und erster Oberarzt an der Freiburger Kinderklinik unter Prof. Dr. W. Keller tätig.

Der Kreis um Keller zählte zu den aktivsten Gruppen in der Nachkriegsaufbauphase der deutschen Kinderheilkunde. Die ersten Assistentenjahre Vivells waren vor allem durch harte Stationsarbeit und nächtelange Forschertätigkeit unter dürftigen äußeren Bedingungen in beengten Labors und Kellerräumen bestimmt. Wissenschaftlich ist er vor allem auf dem Gebiet der Virologie hervorgetreten, das Anfang der 50-er Jahre in lebhafter Entwicklung stand. Seine Arbeit auf diesem Gebiet begann er bei Prof. Dr. Bieling in Marburg und erweiterte seine Kenntnisse insbesondere bei Prof. Dr. Dalldorf in Albany/USA. Vivell bemühte sich sehr um die Einführung der Poliomyelitis- und Masernimpfung, mit deren Propagierung er sich um die Bekämpfung dieser Krankheiten verdient gemacht hat. Außerdem beschäftigte er sich mit den Coxsackie- und anderen Virusinfektionen. Seine Bibliographie umfasst über 150 Titel sowie wesentliche Beiträge für Lehrbücher. Er hielt viele Jahre die Hauptvorlesung "Kinderheilkunde" an der Freiburger Universität und war als Hochschullehrer bei seinen Studenten sehr beliebt und hoch geschätzt.

Am 1. Dezember 1964 übernahm Vivell bis zu seinem Tode 1981 die Leitung der Franz-Lust-Kinderklinik in Karlsruhe und setzte durch eine Neustrukturierung entscheidende Akzente. Er war ein vorzüglicher Arzt und Kliniker, der schnell durch seine ruhige, freundliche Art das Zutrauen und die Liebe seiner kleinen Patienten, das Vertrauen der Eltern sowie Achtung und Anerkennung seiner Kollegen gewann.

Seit ihrer Gründung war Vivell Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie, stand seit 1976 deren Ausschuss "Schutzimpfungen gegen Infektionskrankheiten" vor und diente ihr, wie auch seinen Kollegen, die ihn bei Impffragen konsultierten, mit Rat und Tat. Mit unzähligen Vorträgen hat er sich um die Fortbildung der Kinder- und Allgemeinärzte bemüht, auch im Rahmen der Karlsruher Therapie-Wochen. 1979 konnte er den 76. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde ausrichten.

Vivell erhielt eine Reihe von Ehrungen; u.a. wurde er von der Chilenischen Gesellschaft für Kinderheilkunde zum Ehrenmitglied ernannt und für seine Verdienste um die ärztliche Fortbildung mit der Ernst-von-Bergmann-Plakette ausgezeichnet.

Sein Kollege W. Burmeister schrieb in einem Nachruf über ihn: "Oskar Vivell wandte sich ganz bewußt dem kranken Kinde zu, das ihm über sein ärztliches Bemühen hinaus manche Wohltaten verdankt. Das Handeln dieses Mannes war in tief begründeter Menschenliebe verwurzelt, die alle verspürten, die persönlich mit ihm zu tun hatten". [28]

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Die Linie Lebensmittel-Vivell

1875 übernahm Hermann Vivell <56-c> (1847-1932) von Kaufmann Fränzle das Lebensmittelgeschäft. 1911 baute Hugo Vivell sen. <56-c2b> (1880-1857) es um und vergrößerte es. Als Besitzer folgte 1950 dessen Sohn Hugo jun. <56-c2ba> (1912-1999), der den Laden 1958 zu einem der modernsten Lebensmittelgeschäfte, dem ersten Selbstbedienungsgeschäft in Wolfach, umbauen ließ und den Eingang von der Graben- in die Kirchstraße verlegte. Die Eröffnung war am 21. Juni 1958.

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Vivells in Amerika

Noch nicht genealogisch einordnen lässt sich Professor Allen Edgar Vivell, [29] geboren am 4. Dezember 1905 in Los Angeles (Kalifornien), lehrt an der U.S. Naval Postgraduate School in Monterey (Kalifornien), verheiratet 1930, drei Kinder, Nat. Elec. Light Asn. research asst. cable insultation, Hopkins, 1928-30; elec. engineer, Point Breeze Lab, West. Elec. Co., 30-32; instr. elec. eng, Princeton, 35-39, asst. prof, 39-44, administrator elec. eng. courses, eng, science & management war training, 41-44; acting assoc. prof. and chairman dept, Swarthmore Col, 44-45; assoc. prof. ELEC. ENG, U.S. NAVAL POSTGRAD. SCH, 45-46, PROF, 46- Viviting asst. prof, Swarthmore Col, 41. Inst. Elec. Eng; Soc. Eng. Ed. Magnetic testing; magnetic properties of silicon; steel under complex excitation; application of electricity to aircraft.

In den amerikanischen Telefonbüchern [30] (Stand 28. Oktober 1998) finden sich sieben Vivells:

  • Allen Vivell, Orinda, CA 94563
  • David S. Vivell, 1885 Mcfarlane St., San Marino, CA 91108-1630
  • Herbert G. & E. Vivell, 26518 Wimbledon St., Leesburg, FL 34748-8071
  • Judith Vivell, 57 Prince St., New York, NY 10012-3433
  • Lorrain Vivell, Vacaville, CA 95687
  • S. Vivell, 66 West Shre Rd., Huntington, NY 11743-7202
  • Susan A. Vivell, 2196 Hillsbury Rd., Thousand Oaks, CA 91361-3530

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Anmerkungen

  1. Vgl. Disch, Chronik Wolfach, S. 39-46. [Zum Text]
  2. Die beiden folgenden Zitate in: Disch, Chronik Wolfach, S. 41f. [Zum Text]
  3. Disch, Chronik Wolfach, S. 548, 549f. [Zum Text]
  4. Zumindest alle Vivells, die in den deutschen Telefonbüchern verzeichnet sind (www.teleinfo.de, Stand: 28.10.1998). [Zum Text]
  5. Dictionnaire de Biographie Francaise, Bd. 13, Paris 1971, Sp. 1422. [Zum Text]
  6. Karl Martin, Die Einwanderung aus Savoyen nach Südbaden. In: Schau-ins-Land 65/66 (1938/39), S. 3-118; hier S. 5. [Zum Text]
  7. Über ihn und seinen Sohn s. Hermann Brommer, Philipp Winterhalder (1667-1727). Über Leben und Werk des Gengenbacher Barockbildhauers. In: Ortenau 54 (1974), S. 54-113; hier S. 106-109. [Zum Text]
  8. Bei Wolfgang Vivell <14-hb>, Bruchsal, findet sich Material über die verschiedenen Vivell-Linien. [Zum Text]
  9. Disch, Chronik Wolfach, S. 98f. "Joann Vivell", Tuchhändler, wird ebd. erwähnt auf S. 100. [Zum Text]
  10. Disch, Chronik Wolfach, S. 514. [Zum Text]
  11. Gedruckte Übergabeanzeige ("Circular") im FAS. [Zum Text]
  12. Disch, Chronik Wolfach, S. 521-524. [Zum Text]
  13. Jubiläums-Festkonzert des "Liederkranz". In: ANK 21 (1970-11-07), Nr. 45, S. 6f; 150 Jahre Männergesangverein Liederkranz Wolfach 1845-1995, Wolfach 1995, S. 53. [Zum Text]
  14. Albert Sandfuchs, 80 Jahre Schwarzwaldverein Wolfach. In: ANK 12 (1961-04-22/29/-05-06), Nr. 16-18. [Zum Text]
  15. Auflistung in: Disch, Chronik Wolfach, S. 531. [Zum Text]
  16. 125 Jahre Feuerwehr Wolfach, Wolfach 1985, S. 34; Abb. S. 33. [Zum Text]
  17. Gedruckte Übergabeanzeige im FAS. Über Wilhelm Vivell s. ANK 2 (1950-10-28) Nr. 43. [Zum Text]
  18. Vgl. 2.2.8 Die Familie Schwab; Frank Schrader, Die Vivells - Nachfahren Karls des Großen. In: SZ v. 9.12.1994. [Zum Text]
  19. Disch, Chronik Wolfach, S. 714, Nr. 397. [Zum Text]
  20. Otto Schrempp, Häuser und Menschen. In: Weichenstellung für eine neue Vorstadt, Wolfach 1993, S. 20-25; hier S. 25. Der "Kranz" wird abgebrochen. In: ANK 21 (1970-10-24), Nr. 43, S. 5f. Frank Schrader, Bauliche Entwicklungen in Wolfach im 20. Jahrhundert. In: Die Ortenau 77 (1997), S. 647-676; hier S. 670-672. [Zum Text]
  21. Gelungenes Halbzeittreffen. In: Schwabo vom 25.1.1986. [Zum Text]
  22. Quelle für ihr erstes Lebensjahr: Elisabeth Vivell <15>, Unser Kind Elisabeth, Wolfach 1905. [Zum Text]
  23. Renate Federhofer-Königs, Vivell, Coelestin. In: MGG, Bd. 13, S. 1872f. Michel Huglo, Vivell, Coelestin. In: New GroveD, Bd. 20, S. 46f. Bibliographien in Benno Roth, Seckau. Geschichte und Kultur, Wien, München 1964, S. 555-557; Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880-1980, St. Ottilien 1985, (Stud. u. Mitt. z. Gesch. d. Benediktiner-Ordens u. seiner Zweige; Bd. 29), S. 324f; W. Suppan, Steirisches Musiklexikon, o.O. 1962-66, S. 618. [Zum Text]
  24. Nach Huglo, Vivell war die Priesterweihe 1875. [Zum Text]
  25. Über Gerbert vgl. Die Familie Geßler (Gerbert ist mit den Geßlers verwandt); Miseremini mei, saltem vos amici mei. Fürstabt Martin Gerbert 1720-1793. Horbs großer Sohn, Horb a.N. 1993, (VKMH, Folge 9, Mai 1993). [Zum Text]
  26. Eines seiner Werke wird z.B. in den Literaturangaben zu Gregorius I. dem Großen im Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Bd. 2, Taschenbuchausg., Mainz 1990, erwähnt. [Zum Text]
  27. Wer ist Wer? Das deutsche Who's Who, Ausg. XIV (1962) bis XX (1979); Who's Who in Medicine, Bd. 2, 5. Aufl., München 1981, S. 243; W. Burmeister, In memoriam Prof. Dr. Oskar Vivell. In: Klinische Pädiatrie, Zs. f. Klinik u. Praxis 193 (1981), S. 351; 75 Jahre Kinder- und Kinderchirurgische Klinik Karlsruhe 1920-1995. Vom großherzoglichen Viktoria-Pensionat zur Franz-Lust-Kinderklinik, hrsg. v. Frank Schindera, Karlsruhe 1995, S. 99-101. [Zum Text]
  28. Burmeister, In memoriam Oskar Vivell. [Zum Text]
  29. American Men of Science. A biographical directory, Vol I: Pysical Sciences, ed. by Jaques Cattel, 9th ed., Lancaster (PA) 1955, S. 2006. [Zum Text]
  30. people.yahoo.com (28.10.1998). [Zum Text]

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